2010/2011 Donny O'Rourke
Am 16. und 17. September 2010 besuchte der Lyriker Donny O’Rourke aus Glasgow das kgm.
Während der beiden Lesungen waren alle Gymnasiasten des kgm auf der Bühne des Theatersaals; dichtgedrängt um Donny O’Rourke, der im Scheinwerferlicht sass. Zuerst sangen die Zuschauer für ihren Gast, um ihn willkommen zu heissen. Dadurch war Donny O’Rourke gleich in Stimmung, uns Schottisch-Unterricht zu geben, bevor er anfing, uns über die Klischees der Schweiz auszufragen. Er kannte viele aus seiner Zeit in Bern.
In den folgenden Gedichten spielte Donny mit diesen Klischees und begann sogar, nachdem er uns gewarnt hatte, wie schlecht er singe, uns vorzujodeln und Paul Klees "Angels" vorzusingen.
Immer vertraulicher wurde die Atmosphäre und er erzählte von seinen Eltern, von dem Wort "Liebe", das er nie aus dem Munde seines Vaters gehört hatte – und das dann doch später, nach dem Tod seiner Eltern, in ihren wohlverstauten Liebesbriefen auftauchte.
Im Gedicht "Milk" las er vom Milchkaffee, den ihm die Mutter spätabends aufstellte, wenn sie am Herdfeuer von ihrer Heimat schwärmte. Er erzählte davon, wie Lyriker die Wunden durch ihr Schreiben zu heilen versuchen, vergangene Ungerechtigkeiten wieder "gerade-schreiben" wollen, wie Liebe zerbricht und wie dies schmerzt.
Er rezitierte "The Cost of Love", und immer deutlicher wurde es, wie feinfühlig der frech dahersprudelnde Donny O’Rourke empfindet und wie Sprache und Musik ineinander fliessen.
Thank you, Donny!
20.09.2010/Stephan Hegglin-Besmer
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